Stress und seine negativen Folgen: Umdenken ist angesagt

Umdenken beim Stress

David-W- / Photocase

Sind Sie gerade im Stress? Wahrscheinlich werden Sie mit „ja“ antworten. Sehr im Stress? Vielleicht auch. Und was denken Sie darüber, dass Sie gerade im Stress sind? Finden Sie dies gut oder schlecht? Wahrscheinlich werden Sie an dieser Stelle „schlecht“ sagen. Heute an Tag 6 ist der Stress im Zentrum meines Beitrags zu den #28ofblogging.

In ihren Studien zum Stress hat die Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal herausgefunden, dass das, was wir über unseren Stress denken und wie wir ihn wahrnehmen, entscheidend dafür ist, ob er uns schadet oder nicht. In ihrem sehr sehenswerten TED-Talk sagt sie: „Jahrelang habe ich erzählt, dass Stress krank macht. Stress erhöht das Krankheitsrisiko, von einer einfachen Erkältung bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Prinzip habe ich Stress zum Feind erklärt. Aber ich habe meine Meinung diesbezüglich geändert und heute möchte ich Ihre ändern.“

In einer Studie mit 30.000 Menschen und über acht Jahre hinweg hat Kelly McGonigal nachgewiesen, dass Menschen, die im letzten Jahr viel Stress hatten, ein 43 % höheres Sterberisiko hatten. „Das stimmte aber nur für diejenigen, die auch glaubten, dass Stress gesundheitsschädlich ist. Die Leute, die viel Stress durchlebten, dies aber nicht als schädlich ansahen, hatten kein höheres Risiko zu sterben. Jetzt haben die Forscher hochgerechnet, dass in den 8 Jahren, in denen sie die Todesfälle verfolgten, 182 000 Amerikaner vorzeitig starben. Dies aber nicht stressbedingt, sondern aufgrund des Glaubens, dass Stress schädlich ist.“

Wenn wir uns im Stress fühlen, dann erhöht sich unsere Herzfrequenz und unsere Adern ziehen sich zusammen, was auf längere Zeit ungesund für unser Herz-Kreislauf-System ist. Wenn die Teilnehmer der Studie diese Reaktion für sich selbst aber als hilfreich einstufen konnten, dann blieben ihre Adern entspannt. Ihr Herz schlug zwar immer noch stark, aber in einem gesünderen Ausmaß, berichtet Kelly McGonigal, und weiter: „Das sieht sogar sehr so aus wie ein Moment der Freude, des Muts. […] Und genau das ist es, was die moderne Wissenschaft über Stress enthüllt: es ist entscheidend, wie man über Stress denkt.“ Wenn Ihr Herz im nächsten Stress wieder heftig klopft, dann sollten Sie denken: „Dies ist mein Körper, der mir hilft, die Herausforderung voll zu meistern. Und sollten Sie Ihren Stress derartig wahrnehmen können, wird Ihr Körper Ihnen glauben, und Ihre Stressreaktion wird gesünder sein.“ Das klingt gut und ist in jedem Fall einen Versuch wert, denke ich.

Vielleicht unterstützt Sie auch die folgende kleine Übung dabei, eine stressige Zeit anders wahrzunehmen:

Machen Sie eine stressige Zeit zu Ihrer Kraftquelle

Rufen Sie sich eine stressvolle Zeit in Erinnerung, in der Sie durchgehalten und in der Sie etwas gelernt haben. Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, darüber nachzudenken und festzuhalten, was Sie in dieser Zeit über Ihre Stärken gelernt haben und wie Sie mit diesen schwierigen Umständen klargekommen sind.  Schreiben Sie 15 Minuten lang über diese Erfahrung in Ihr Impuls-Buch. Nutzen Sie dabei die folgenden Fragen als Hilfestellung für Ihr Schreiben:

  • Was hat Ihnen geholfen, durch diese schwierige und stressige Zeit zu kommen?
  • Auf welche persönlichen Kraftquellen und Stärken haben Sie zurückgegriffen?
  • Haben Sie Rat oder Unterstützung gesucht?
  • Was haben Sie in dieser Zeit darüber gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen?
  • Wie hat diese Erfahrung Sie stärker gemacht?
  • Wie können Sie das, was Sie gelernt haben, auf zukünftige Herausforderungen übertragen?

(Nach Your Wellbeing Blueprint, Michelle McQuaid & Dr. Peggy Kern, S. 52)

P.S. Im Kurs Positive Psychologie Level 2: PP im Coaching am Inntal Institut hat mich unsere Trainerin Daniela Blickhan zum ersten Mal auf die Forschungsergebnisse von Kelly McGonigal aufmerksam gemacht. Ich fand das Thema sofort überaus interessant und wichtig zu wissen. :-)

Bei den #28daysofblogging habe ich diese Beiträge bereits veröffentlicht:

12 Gedanken zu „Stress und seine negativen Folgen: Umdenken ist angesagt

  1. Nach fast einer Woche 28daysofblogging, muss ich sagen: ja, ein “bisserl” stressig ist das schon. Aber wie heißt es so schön: “Man wächst mit seinen Aufgaben…”
    Und noch stehen wir quasi am Anfang. Aber der Erfolg und positive Rückmeldungen helfen ungemein. Daher, alles gut. ;)
    Liebe Grüße
    Karl

    • Hallo Karl! Etwas stressig – unterschreibe ich für gestern und heute heute sofort … Gestern war ich beim Zukunftstag der IHK zum Thema „Digital Work“ – war sehr interessant! Müsste ich auch in einem Blog-Beitrag verarbeiten … So much to do … LG Gaby

  2. Oh für mich als angehende Psychologin ist das Thema besonders interessant, denn ich bin ein Freund der Positiven Psychologie und vor allem im Zusammenhang mit Stress, kann ich mir die beschriebene Methode sehr gut vorstellen! Danke für diesen sehr hilfreichen Post :)
    Alles liebe Anja

  3. Liebe Gaby,
    Ich versuche gerade zu überlegen, wann ich zuletzt gestresst war! Das wird wohl vor 2 Jahren gewesen sein, während wir unser Haus gebaut haben. Als negativ habe ich ihn aber nie empfunden. Und seitdem ist bei mir kein Stress zu spüren :-D Gut, ich bin auch Hausfrau und Mutter. Wobei ich ja seit einem halben Jahr teilzeit blogge.
    Viele Grüße, Izabella

  4. Ich merke selbst, wie schnell ich Stress im Job habe. Meistens verursache ich ihn dabei selbst, weil ich mich unter Druck setze. Die Übung muss ich definitiv mal ausprobieren!

    Liebe Grüße,
    Vita

  5. Ich habe eigentlich keinen Stress, glaube ich zumindest, aber irgendwie scheine ich ihn doch zu haben, sonst wäre meine colitis derzeit nicht so dermaßen aktiv, dass ich mich an manchen Tagen ideenlos, endlos müde und unausgeruht fühle :(
    Liebe Grüße

    • Liebe Franzi!
      Guten Besserung von Herzen! Vielleicht hilft es dir ja ein wenig, dir was gutes zu tun?
      Ich bin eine große Freundin des Selbstmitgefühls, also freundlich mit sich selbst umzugehen … kommt irgendwann um Tag 20 rum, wenn ich mich recht erinnere … Vielleicht ja auch was für dich?
      LG Gaby

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.